Veröffentlichung in den Medien des Bistums Trier
Verleihung des Kulturförderpreises - Dankesrede
Lieber Landrat Marco Boos, liebe Anwesenden und Mit-Preisträger!
Da war ich doch ganz schön überrascht, als Sie, Herr Boos, mir am Telefon die freudige Mitteilung machten, dass wir als Team der Pfarrei St. Franziskus und St. Klara Untermosel-Hunsrück einen der diesjährigen Kulturförderpreise des Landkreises Mayen-Koblenz erhalten sollten. Wir freuen uns sehr, heute hier zu dieser besonderen Preisverleihung im Kreishaus sein zu dürfen!
Bevor ich aber mehr zu uns und unserer Initiative „Kirche und Kultur in der Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg“ in Oberfell komme, möchte ich mit ein paar Worten auf das Thema „dritte“ oder „vierte Orte“ eingehen und einen kleinen Bogen spannen.
„Erste Orte“ sind uns wohl bekannt: sie sind unser Zuhause.
Mit „zweiten Orten“ bezeichnen wir unsere Arbeitsplätze
„Dritte Orte“ sind dagegen Begegnungsorte in vielfältiger Weise.
Sie ermöglichen einen Ausgleich von Zuhause und der Arbeit.
Unsere Gesellschaft benötigt mehr denn je offene „Dritte Orte“ für Gemeinschaften und den sozialen Austausch.
Kirchengebäude bieten sich dafür in besonderer Weise an – stiften sie doch durch ihre Architektur, ihre Verortung und ihre Rolle in unserer Erinnerungskultur Identität. Sie treten als Treffpunkt für Dialog und Spiritualität, aber auch für individuelle, innere Einkehr hervor. Damit besitzen Kirchen eine besondere Qualität: Sie werden zu „vierten Orten“.
Kirchen allgemein, nicht nur bei uns auf dem Bleidenberg, werden dann zu neuen Begegnungsorten, wenn sie über ihre rein liturgische Funktion hinaus ein offener, einladender Raum für Gemeinschaft, Kultur und Begegnung werden. Die Coronapandemie hat deutlich gezeigt, dass es an informellen öffentlichen Orte fehlt, an denen es keinen Konsumzwang gibt.
Offene Kirchen, öffentliche Räume der Stille und der Besinnung sind nötiger denn je – nicht im Sinne einer Weltflucht, einer Scheinwelt, sondern in einer so unruhigen Welt im Sinne bergender Räume, von Orten der Sammlung.
Zwischen 30 und 50 Prozent der Kirchengebäude in Deutschland werden in den kommenden Jahrzehnten leer stehen, letztendlich auch bei uns.
Sind diesem Trend die kirchlichen Institutionen bis vor wenigen Jahren nicht oder kaum begegnet, verändert sich aktuell durch den Kostendruck und Rückgang der Gottesdienstbesucher die Sicht und der Umgang mit dem Bestand deutlich.
Kirchliche Immobilienkonzepte und -strategien hin und her, - aber ist es zu wage gedacht, wenn bestehende Kirchengebäude einfach erhalten werden, um sie für jeden zu öffnen?
Dass das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen ist, zeigt zum Beispiel das Forschungsprojekt „kirchRAUMpilot*innen der Hochschule Koblenz, das zusammen mit der Immobilienabteilung des Bistums Trier und der VG Vordereifel hier im Kreis gestartet wurde und gerade in Kehrig und Kirchwald in die Erprobung geht.
Der zu früh verstorbene Bürgermeister Alfred Schormisch hat das Potential als einer der ersten richtig erkannt.
Weitere Aktivitäten wie der „Zukunft-Kirchen-Räume“ der Baukultur NRW und das Kirchenmanifest weisen in die gleiche Richtung. Auch das durch Frau Katharina Zey-Wortmann von der Katholischen Erwachsenenbildung Trier initiierte Projekt der „Kulturkapellen“ ist ein wichtiger Beitrag hierzu, die ich an der Stelle besonders begrüßen möchte.
Kirchen ohne Umbau und Umnutzung, geöffnet und erlebbar ohne vordefinierte Funktionen. Vielleicht besteht der größte Wert eines Kirchraums gerade darin, dass er irgendwie schon immer da war und als ein Ort der Ruhe und der individuellen Besinnung erfahren wurde?
Diese einmalige Funktion ist den Kirchen gleichsam in die DNA eingeschrieben. Kirchenräume als Rückzugsräume vom hektischen Alltag könnten zukünftig ein relevantes Bedürfnis erfüllen, dessen Wert bis dato noch nicht adäquat beschrieben ist.
Ja, das kostet Geld und es muss woher kommen. Aber wäre dies nicht auch eine Aufgabe der Allgemeinheit und nicht der Kirchengemeinden alleine?
Als Gesellschaft sollten wir uns um unserer eigenen Zukunft und unserer persönlichen Bedürfnisse willen fragen:
- Welche Orte oder Räume lassen noch einen Rückzug zu sich selbst zu?
- Welche Angebote gewähren Ruhe, geistige Entspannung und Konzentration?
- Ist ein solcher Ort wertlos oder wird er in einer nahen Zukunft an Wert gewinnen, wenn sich die Gesellschaft immer weiter individualisiert und den Einzelnen oft alleine zurücklässt?
Mit unserer Initiative „Kirche und Kultur auf dem Bleidenberg“ nehmen wir uns dieser Herausforderung an, die Wallfahrtskirche zu einem dieser „vierten Orte“ werden zu lassen.
Wir freuen uns sehr, auch für 2026 wieder ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen in der Bleidenbergkirche selbst anbieten zu können oder diese auszurichten. Wir freuen uns besonders, dass auch die Sommerclassics des Landkreises wieder zu Gast auf dem Bleidenberg sein werden.
Aber alleine geht es nicht. Wir bedanken uns bei unseren Förderern, stellvertretend bei Elisabeth und Johannes Barth von der Bio-Bäckerei Barth in Niederfell, die uns von Anfang unterstützt haben.
Liebe Elisabeth, lieber Johannes, vielen Dank dafür!
Unser Dank für die Unterstützung geht auch an die Adresse der Pfarrei und unseren Pfarrer Oliver Laufer-Schmitt, den ich hiermit begrüßen möchte und wir uns freuen, dass er heute mit dabei sein kann. Mit einem Augenzwinkern darf ich sagen: Sie haben es nicht immer einfach mit uns, passen wir doch mit unseren Aktivitäten und Ambitionen nicht immer so ganz zu den tradierten Vorstellungen von Kirche und Pfarrei, wie es sich manch einer im Ort und in unserem Bistum Trier mit all ihren Regularien und Vorstellungen von Tradition und Brauchtum so denken.
Unser abschließender Dank für die Verleihung des diesjährigen Kulturförderpreises geht an dieser Stelle an die Vertreter des Landkreises Mayen-Koblenz und der Sparkasse Koblenz, an sie, Herr Landrat Marko Boos und sie, Herr Jörg Perscheid, die zukunftsweisende Initiativen wie die unsere positiv wahrnehmen, wertschätzen und unterstützen, damit Kultur in vielfältiger Weise auch auf dem Land ein Zuhause hat und wir damit einen gemeinsamen Beitrag zum Erhalt unserer historischer Kirchen wie die der Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg leisten.
Schließen möchten möchte ich mit einem Wort des Theologen Matthias Sellmann:
Kirchen wollen Orte der Gastfreundschaft sein –
- für die, die Gott gefunden haben
- für die, die ihn finden wollen
- und für Gott selbst, der dort gerne Menschen trifft
Im Name des Team Bleidenberg möchte ich heute sagen: Vielen Dank!
Bericht vom Benefz-Kinoabend vom 15. April 2025
von Alexander Thieme-Garmann, Rhein-Zeitung
Bericht Paulinus vom 18. Juni 2024
von Julia Fröder, Bischöfliche Pressestelle
Ein Ort kirchlicher Vielfalt
Kirche bietet Kulturelles und Spirituelles